Ein Zauberer im verzauberten Bereich

Der bekannte Augsburger Zauberkünstler Hardy lebt jetzt in der Fuggerei.
Wie es dazu kam und welche Pläne der 68-jährige nun hat.

Derzeit feiert die Stadt Augsburg den 650. Jahrestag des Zuzuges der Familie Fugger.
Die Geschichte der Stadt in untrennbar mit der Kaufmanngeschichte verbunden.
Ohne die Fugger würde das Stadtbild heute ganz anders aussehen.

Dann gibt es ja noch die Fuggerei – und die hat seit Kurzem einen prominenten Mieter.

Die älteste Sozialsiedlung der Welt war für viele Menschen Hoffnung und Zuflucht in
Schwierigen Lebenssituationen. Das ist sie bis heute geblieben.

Inzwischen ist sie zudem ein Touristenmagnet, 200 000 tausend Menschen haben die
Fuggerei im vergangenen Jahr besucht. Trotzdem kann man hier noch in Ruhe leben.
180 Bewohner wohnen derzeit in der Siedlung, darunter auch Familien mit Kindern.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ sei der Anspruch, sagt Astrid Gabler, Sprecherin der Stiftung, die
die Fuggerei verwaltet. Zwei Sozialpädagogen helfen den Bewohnern bei Alltagsfragen,
bei Behördenkontakten und mehr. Zusätzlich unterstützen Ehrenamtliche die Fuggerei.

Bewohner müssen katholisch sein  

Grundsätzlich versorgen sich die Fuggerei-Mieter selbst, einmal in der Woche gibt es ein
Gemeinsames Frühstück oder Kaffe und Kuchen und mehrmals im Jahr  auch
Veranstaltungen im Fuggereitreff, dem Gemeinschaftsraum in der Fuggerei.

Die Miete hat sich seit Beginn an nicht verändert, man zahlt 88 Cent im Jahr und täglich
Sind 3 Gebete zu sprechen.. Bewerber müssen katholisch sein, die Bedürftigkeit wird vom
Sozialamt geprüft.

Seit Kurzem lebt nun auch der bekannte Augsburger Zauberer Hardy in diesem Kleinod
Mitten in der Stadt. Und er ist glücklich dort, wie er sagt. Auch sein Kaninchen hat er aus
Der Wohnung in Lechhausen mitgenommen.

Nach einem langen interessanten, aber nicht immer einfachen Leben, sei er nun zur Ruhe
Gekommen, erzählt Hardy, der mittlerweile 68 Jahre alt und fast 50 Jahre als hauptberuflicher
Zauberer und Magier zurück blickt.

Im Laufe der Jahre hat er sich auf die Show vor Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren
In Kindergärten und Schulen spezialisiert. „Zauberei ist etwas, was Kinder noch immer
Fasziniert, trotz PC und Smartphone“, berichtet er lächelnd.

Aber auch Erwachsene lassen sich ins Traumland der Zauberei entführen, das zeigen
Zahlreiche Fotos mit Prominenten in seiner neuen Wohnung.
Darunter etwa Franz-Josef Strauss, Sara Wagenknecht, Günter Jauch.

Jetzt in der entspannenden Ruhe der Fuggerei, will er kürzer treten,
erzählt Hardy – fließend und frei, kaum zu glauben,
dass er eigentlich stottert. Die Schule sein deswegen ein Horror
Gewesen, blickt er zurück.
Im öffentlichen Sprechen beim Zaubern fand er seine persönliche Therapie.

Es war nicht immer einfach, sagt er. „Heute wünsche ich mir,
ich wäre vielleicht doch besser Beamter geworden“.
Vor allem wirtschaftlich seinen die Jahre nicht immer erfolgreich gewesen.
Seine kleine Rente reicht nicht.
Die Honorare in den Kitas und Schulen seien auch nicht gerade üppig.

Warum sich Hardy für den Umzug entschied.

Der Zufall oder das Glück wollten es, dass er mit Jemanden aus der
Verwaltung der Fuggerei in Kontakt kam und so entwickelte und
realisierte sich der Plan, in die Siedlung zu ziehen. In der Gartengasse
wohnt er jetzt und ist glücklich.  „Vor allem diese Sicherheit“, die man in der Fuggerei habe.

Aber: „Es war vor allem mental garnicht so einfach“, beschreibt Hardy seine Gefühlslage.
Er habe sich gefragt, was das für ein Bild in der Öffentlichkeit geben würde,
wie die Menschen reagieren würden.
Inzwischen ist er aber überzeugt, das Richtige getan zu haben.
„Ich bin jetzt angekommen, genieße die Freiheit vor existenziellen Ängsten und die Sicherheit hier“.

Ganz zur Ruhe setzen möchte er sich aber nicht.
Ein neues Zauberbuch ist in Arbeit, auch einige ausgewählten Auftritte in Planung.
Am wichtigsten sei es ihm aber, etwas zurück zu geben, von dem, was er täglich erhält.
Deshalb will er auch in der Siedlung für die Bewohner
Vorstellungen geben, bei einem Weinfest steht der nächste Auftritt auf dem Programm.
Quelle: StadtZeitung Augsburg