Rom du Stolze – du wirst fallen

Hier spricht ein Katholik der an Krebs gestorben ist und
in Rom als Astralbewohner seine Augen öffnete. …

Rom, Du Stolze, Du wirst fallen. Und ich werde es erleben.
Ich werde hier stehen wie jetzt auch. Ich lache nicht, ich hadere nicht.
Warum? Die Priester, sie verkünden die heilige Schrift. Sie wissen es nicht anders.

Der Papst segnet uns, er weiß es nicht anders. Ich bin tot doch es ist ganz anders.
Der Krebs hatte meinen Körper zerstört. Ich hing an Schläuchen, an Maschinen.
Wie Aussätzige wird unsereins behandelt. Die liebende Familie hält sich fern.

Man erhält noch seinen Pflichtbesuch, sie schauen einen schon nicht mehr an.
Ekel steht in ihren Augen. Und das Himmelreich Gottes?
Ich habe keine Wanderung hinter mir,
ich lag auch keine eintausend Jahre im Grab. Ich habe nichts gemerkt.

Nicht wie ich mich aus dem alten sterbenden Körper löste, es gab keine Schmerzen.
Einfach nur ein befreites Gefühl, ein aufatmen. Und jetzt stehe ich hier am Petersplatz.
Ich fühle mich jung, jünger als ich war. Ich trage Hose und Hemd, die Fäuste in den Taschen.

Ja, ich stehe breitbeinig hier am Petersplatz. Ich kenne ihn.
Als praktizierender Katholik war ich öfters hier. Ich habe Päpste gesehen.
Ich kenne den Prunk, ich kenne die Stimmung.
Hier in diesem Augenblick ist nichts mehr davon übrig.

Die Stadt hat sich verändert, oder ist es nicht die Stadt, sondern vielmehr ich?
Ich lebe, die Bibel sagt nichts darüber aus. Es gibt hier keinen Richter,
allerdings auch keinen Thronsaal von Gott und seinem Gefolge.

Nein, ich stehe einfach hier in Rom und lebe. Alles ist düster, all der Prunk den ich kenne,
nichts ist davon übrig geblieben. Die Mauern des Vatikan bröckeln.
Es gibt keinen Laut hier, keine Stimmen. Keine Menschen.

Der Petersplatz war niemals vollkommen menschenleer. Jetzt ist er es.
Ich habe mich umgedreht, ich hich hoffte, wenigstens Schatten zu sehen.
Nichts dergleichen, Leere, Totenstille. Rom ist tot. Und ich lebe.

Ich bin ruhig, warum soll ich mich aufregen, es ist die endgültige Erkenntnis.
Solange man lebt weiß man nichts darüber, man macht sich keine Gedanken darüber.
Warum auch.

Man wurde schon getauft als Baby. Die Entscheidung wurde einem abgenommen.
Man wächst in seiner Religion auf. Wir waren kirchlich getraut und wir ließen ebenfalls
unsere Kinder taufen. Wir fällten die Entscheidung, und jetzt?

Welche Entscheidung treffe ich jetzt? Zum ersten mal in meinem Leben stehe ich davor
selbst eine Entscheidung zu treffen. Solange ich lebte, natürlich traf ich Entscheidungen,
sie waren vorgefertigt. Die Kirche half Entscheidungen zu treffen,
die Familie half Entscheidungen zu treffen.

Und jetzt, die letzte Konsequenz, ich lebe, und niemand ist da, der diese Entscheidung für mich trifft.
Der Petersplatz hier, düster, grau. Unter Gottes Thronsaal hatte ich mir etwas anderes vorgestellt.
Doch ich stehe hier am Petersplatz.

Hat der heilige Vater Gott verdrängt? Es scheint so! Ich stehe hier,
lebendig, nichts von all dem, was man uns zu unseren Lebzeiten berichtet,
Glauben macht, entspricht der Wahrheit.

Doch auch der heilige Vater ist nicht da. Ich kann durch das bröckelnde Gemäuer hindurch sehen.
Es ist keine Menschenseele da. Ich, sonst niemand. Und ich stehe in Rom. Kein Gefühl regt sich in mir.

Enttäuschung? Nein, worüber? Wo nichts ist, kann nichts sein. Gibt es überhaupt etwas was lebt?
Wenn ich tot bin und hier lebendig am Petersplatz stehe, was ist dann Leben? Ein Irrtum?

All die Geschichten aus der Bibel, ja ich kann sie sehen.
Wie Schatten an der Wand stellt sich alles dar. Es ist ohne Stimmen.
Ich sehe diese Schatten und ich sehe die bröckelnde Mauer.
Düstere Stille, unangenehm.

Der Leidensweg Jesus, es ist wie mein eigener Leidensweg,
gezeichnet durch die Krankheit wendeten sich alle ab.
Man weint um mich, natürlich. Für meine Familie bin ich tot.

Testament? Nein, ich schrieb kein Testament. Die Familie war sich immer einig,
auch zum Schluß. Ein Aussätziger war ich, krebszerfressener Körper, unappetitlich.
Das war mein Leidensweg. Doch ich lebe.

So wie ich die Krankheit überlebte, hat Jesus das Kreuz überlebt. Doch wo ist er?
Wo sind alle die Lebenden, alle die Toten? Der Petersplatz ist leer.
Die Schatten an der Wand, sind die sichtbare Bibel. Es sind Schatten, sonst nichts.

Hier lebe ich, ohne daß ich geboren wurde, mein Körper hat sich verjüngt, ich fühle mich gesund.
Die ganze Schöpfungsgeschichte ist ein Schattenspiel an der bröckelnden Mauer.

Bin ich der erste, der das erkennt, oder der letzte? Wohl eher der letzte,
denn die Mauern verfallen, der Vatikan ist leer. Der Prunk, der Glanz ist gewichen.
Düstere Stille überall.

Die Menschenleere, ist es, weil ich mich zum Schluß einsam fühlte, von allen, selbst von Gott verlassen? Hier jetzt weiß ich, es verläßt mich keiner, es ist keiner da. Und Gott? Ein Schattenspiel an der Mauer.

Niemand erschuf mich, niemand erschuf uns, die Erde. Niemand!
Nein, es ist auch kein Zufall, daß es uns gibt.  Wir sind unsere eigene Irrlehre.
Weil wir glaubten, weil wir vertrauten.
Weil wir die Entscheidung Gott überließen, und Rom.

Es gibt nichts mehr, was mich an diesem Platz hält. Ich werde auf Wanderschaft gehen,
Rom ist nicht die Welt. In jeder Sekunde sterben Menschen, an jedem Ort.
Irgendwo wird einer zu finden sein.

Steht der dann auch an einer bröckelnden Mauer? Oder steht nur der in Rom,
der glaubte das Wort Gottes wird hier verkündet. Doch hier gibt es nichts.
Auch keine Engel. Alles sind Schatten.

Ich wollte schon immer mal ans Meer. Wenn ich in diesem Leben einen Körper habe
ohne geboren zu werden, dann werde ich auch das Meer finden, Sand, Sonne,
spielende Kinder. Menschen die nichts von Rom wissen.

Es muß solche Menschen geben, die frei sind von irgendwelchen Religionen,
frei sind von Geboten. Menschen, die sich frei bewegen können.
Sie müssen zu finden sein.

Es gibt keinen Tod. Also gibt es Leben. Leben ist Lachen, Sonnenschein.
Rom, Dir kehre ich den Rücken für immer.
Ein Traum endet im Schattenspiel einer bröckelnden Mauer

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